Wer kennt eigentlich noch den Drahtrundfunk? Heutzutage unvorstellbar wurde während und nach dem Zweiten Weltkrieg das Rundfunksignal über Telefonleitungen in die Haushalte gebracht. Oft wurden auch die Leitungen der Sirenenanlagen verwendet. In manchen Altbauwohnungen liegen die Leitungen noch unter der Tapete versteckt. Das war in der Urzeit des Rundfunks. Erst später, mit der Entwicklung der Hochfrequenztechnik, war es möglich, Rundfunksignale drahtlos zu übertragen.
Der Rundfunk entstand in Deutschland
Als im Voxhaus am Potsdamer Platz in Berlin die erste Rundfunksendung produziert wurde, ahnte niemand, welch bedeutende technische Erfindung damit ihren Weg nahm. Wie wichtig der Rundfunk sein kann, bewiesen die Nazis durch ihre perfide Manipulation der Bevölkerung durch dieses Medium. Um derartigen Missbrauch des Rundfunks künftig zu verhindern, wurde die Medienhoheit nach dem Krieg in die Hände der einzelnen Länder gelegt. Es entstanden, zumindest in den Westzonen Deutschlands, Landesrundfunkanstalten. In der sowjetischen Zone gab es keine Länder und auch nur eine Rundfunkanstalt. Sie wurde nach dem leider bewährten Muster der Kriegszeit zu einem Propaganda- und Machtinstrument der Herrschenden ausgebaut.
Der Rundfunk als öffentlich-rechtliche Anstalt
Die einzelnen Länderrundfunkanstalten waren öffentlich-rechtlich organisiert. Das bedeutet, dass das Sagen über den Sender und seine Inhalte öffentlich kontrolliert wurde und nach Recht und Gesetz zu funktionieren hat. So war es nicht mehr möglich, dass einzelne Interessen die Sendeinhalte bestimmten. Der Zusammenschluss der einzelnen Landesrundfunkanstalten zur ARD war ein folgerichtiger weiterer Schritt auf dem Wege zu einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt für ganz Deutschland. Die kommenden 40 Jahre sollten sich zwei diametral entgegengesetzte Formen der Organisation einer Rundfunkanstalt gegenüberstehen: öffentlich-rechtlich und staatlich autoritär. Die staatliche Autorität im Medienbereich ging in den frühen Jahren der DDR sogar soweit, dass junge Menschen dazu kommandiert wurden, auf den Hausdächern die Antennen, die gegen Westen gerichtet wurden, abzubrechen.
Fernsehen als Bestandteil des Rundfunks
Technisch, medienrechtlich und inhaltlich gesehen, sind Fernsehen und Rundfunk das gleiche. Fernsehen halt nur mit Bild. Folgerichtig entwickelten sich mit der technischen Entwicklung des Fernsehens die Rundfunkanstalten zu Rundfunk- und Fernsehanstalten. Zunächst schien es, als würden Rundfunk und Fernsehen einander Konkurrenz machen. Das hat sich jedoch als falsch herausgestellt. Der Rundfunk hat seine Hörer, genau wie das Fernsehen seine Zuschauer. Ein Konsument, der gern fernsehen sieht, wird auch ebenso gern das Radiogerät einschalten und umgekehrt. Jedes zu seiner Zeit, jedes zu einem anderen Zweck. Während heutzutage der Rundfunk mehr als Begleiter im Alltagsgeschehen genutzt wird, beispielsweise im Auto, wird das Fernsehen immer mehr Aufmerksamkeit heischen. Vor das Fernsehgerät muss man sich hinsetzen und zusehen, das Radio kann überall mitlaufen. Sogar in Handys ist heutzutage ein Radio drin.
Der Rundfunk hat nach wie vor seine Zukunft
Die Zukunft des Rundfunks wird die Rundfunklandschaft erheblich verändern. Die heute mehrheitlich vorhandenen Blablabla Sender mit immer der gleichen Musik, dem stets gleichen Sound, der egalisierten Lautstärke, ohne Dynamik und Tiefe und mit nur wenigen Informationsinhalten haben keine Zukunft. Der Nutzer von morgen wird sich seine Musik, seine Inhalte und seine Informationen selbst zusammenstellen aus den Angeboten des Internets. Nur Sender, die diesen Trend erkennen und ihr Programm entsprechend anpassen, werden überleben können.
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